Berliner Mauerweg

Ein etwas aus der Reihe gefallener Beitrag. Er kann aber auch als Anregung zur spannenden Gestaltung des Grundlagentrainings genommen werden.

Das Vorhaben

Da ich seit Oktober 2018 beruflich in Berlin bin, treibe ich auch dort Sport. Das mit Masse mit dem Rad. 

Dabei kommen zu den mittlerweile etablierten Standardstrecken immer wieder neue Strecken dazu. Diese sind mal mehr, mal weniger ambitioniert. Aber das Erkunden macht mir in Summe mehr Spaß, als das Abfahren der bekannten Strecken. Meist nutze ich als Ziel einen der vielen Seen im Südosten von Berlin oder im angrenzenden Umland. 

Irgendwann kam dann durch Internetrecherche und persönliches Kennenlernen von verschiedenen Streckenabschnitten die Idee auf, den Berliner Mauerweg mit dem Rad als Ganztagestour zu absolvieren. 

Gesagt – getan. Am 22.06.2019 war es dann so weit und ich habe mich auf die Strecke gewagt. 

Strecke

Die grundlegenden Informationen zur Strecke habe ich mir hier https://www.berlin.de/mauer/mauerweg/ geholt. Auf dieser Seite gibt es die notwendigen Informationen sowie die Strecke als gps – Track. Diesen habe ich mir heruntergeladen und auf mein Navigationsgerät (Polar V650) übertragen. Darüber hinaus habe ich die Strecke vorher in den zur Verfügung stehenden Onlinekarten studiert und mit den mir schon bekannten Streckenabschnitten abgeglichen. 

Ergebnis dieser Vorbereitungsmaßnahmen war die Entscheidung sehr früh am Morgen zu starten und zunächst den Teil der Strecke durch die Stadtmitte als erstes zu absolvieren. Damit habe ich den Rundweg entgegen dem Uhrzeigersinn absolviert. Somit hatte ich das ehemalige Westberlin in Fahrtrichtung immer links von mir und die ehemalige DDR sowie das ehemalige Ostberlin immer rechts von mir. 

Als Einstiegspunkt habe ich das Ernst-Ruska-Ufer am Teltowkanal gewählt. Der Mauerweg verläuft zunächst Richtung NORDEN-NORDOSTEN. Der Mauerweg folgt dann dem ehemaligen Grenzverlauf durch die Stadt. Hier kann man neben den deutlichen Hinweisschildern auch der Markierung des originalen Verlaufes der Mauer aus einem doppelten Pflastersteinstreifen im Boden folgen. Im Bereich der Stadt werden dann bekannte historische Punkte wie am Fließband passiert. Das führte dazu, dass ich oft angehalten habe, um das für später fotographisch festzuhalten.

Der Mauerweg biegt nach Verlassen des Stadtbereiches nach WESTEN ab. Dabei ändert sich die Charakteristik der Umgebung völlig. Ich war die Masse dieses Wegabschnittes allein in der Landschaft unterwegs. In diesem Bereich sieht es so aus, als folgt der Mauerweg meist dem ehemaligen Kolonnenweg, welcher von den Grenztruppen der ehemaligen DDR zur Überwachung der Grenzanlagen genutzt wurde.

Nach etlichen Kilometern biegt man dann nach SÜDEN ab, wobei sich der Charakter der Strecke und der Landschaft zunächst nicht wesentlich ändert. Die eine oder andere Siedlung wird gestreift oder durchquert. 

Biegt die Strecke dann endlich wieder nach OSTEN ab geht es zurück in die dichter besiedelten Gebiete. Dabei wird der Wannsee per Fähre überquert und nun das südliche WESTBERLIN umfahren.

Ich war ganz froh, als ich wieder am Einstiegspunkt angekommen war und nur noch bis zur Unterkunft zurückfahren musste.

Die Streckenverhältnisse umfassen spiegelglatte Straßen, Schotterwege, Pflastersteinpassagen bis hin zu Single Trail ähnlichen Abschnitten. Teilweise sind schon erhebliche Herausforderungen, wie Querrinnen und Hügel sowie Straßen- und Wegeaufbrüche vorhanden. Manchmal wünschte ich mir ein Rennrad, manchmal eher ein Mountainbike. Am Ende war ich mit meinem Crossrad doch ganz gut unterwegs. 

Ich bin insgesamt 166km gefahren. Dabei ist der Weg zu und vom Einstiegspunkt dabei. Ziehe ich das ab, kommt der Mauerweg allein auf ca. 160km. Der Mauerweg ist dabei ausgezeichnet ausgeschildert, so dass man auch ohne elektronischen Helfer gut zurechtkommen kann. Mir hat das dennoch Zeit gespart, so dass ich sicher mehr vom Weg hatte. 

Sehens- und Wissenswertes

Was gibt es auf dem Berliner Mauerweg zu entdecken?

Neben dem sportlichen Aspekt der Absolvierung der Strecke kann man viele Eindrücke sammeln. 

Zunächst passierte ich im Stadtbereich so bekannte Punkte wie z. Bsp. die Sonnenallee, Check Point Charly, Potsdamer Platz und das Brandenburger Tor. Da ich sehr früh am Morgen an einem Samstag unterwegs war, hatte ich die Stadt gefühlt für mich allein. Weiterhin beeindrucken die erhaltenden und ausgezeichnet aufbereiteten Mauerabschnitte, z. Bsp. in der Bernauer Allee. Spätestens hier wird einem bewusst, wo man heute unterwegs sein kann, wo sich früher die beiden Machtblöcke gegenüberstanden. 

Ich habe auch Sachen entdeckt, von denen ich vorher noch nichts wusste. Besonders beeindruckt hat mich dabei die im November 1748 bezogene Invalidensiedlung, als eine der ersten Einrichtungen der Kriegsopferfürsorge im deutschsprachigen Raum.   

Beeindruckt hat mich auch die Erhaltung der Erinnerung an die ehemalige Grenze. Dabei werden originale Bestandteile der Grenzanlagen, wie z. Bsp. Mauerteile, Grenztürme oder der Kolonnenweg erhalten. Es wird aber auch auf andere wichtige Punkte, wie z. Bsp. die Grenzübergänge durch hervorragende Dokumentation hingewiesen. Diese historische Dokumentation findet sich meinst auf verschiedenfarbigen Stelen, welche an den entsprechenden Orten aufgestellt wurden. Diese werden durch andere Hinweistafeln und Dokumentationsschilder ergänzt.

Besonders berührt das Gedenken an alle Opfer der Grenzanlagen im Zuge des Berliner Mauerweges. 

Insgesamt erhält man durch die ausgezeichnete Dokumentation einen beeindruckenden Blick in die Geschichte. Ich habe an der einen oder anderen Stelle beim Lesen Gänsehaut bekommen. 

Zieleinlauf

Zusammenfassend möchte ich den Berliner Mauerweg vorbehaltlos empfehlen, als etwas, was man einmal im Leben gemacht haben sollte. Er muss ja nicht zwingend als Tagestour absolviert werden. 

Ich empfehle mit einem Mountainbike, einem Crossrad oder einem Tourenrad zu fahren. Für das Rennrad ist der Mauerweg definitiv nicht geeignet.

Pausen können überall eingelegt werden. Es gibt auch genug Stellen an welchen man Verpflegung fassen kann. Daher hatte ich auch nur wenig dabei. 

Die Fähre über den Wannsee bietet sich als längere geplante Pause an. Die Fahrkarte für sich und das Fahrrad kauft man über die BVG App oder an Bord. Die Fähre gehört zum Streckennetz der BVG. An Bord kann man auch die Toilette nutzen, wenn es notwendig wird. 

Die Bildergalerie soll einen kleinen Einblick in meine Tour geben. Die Bilder sind nicht sortiert und können per Klick vergrößert angesehen werden.

Ich wünsche viel Spaß beim Nachfahren!