Schießlehre 3

Dieser Beitrag setzt die kleine Reihe über die Biathlonschießlehre als Teil der Biathlonschießtechnik weiter fort. Grundkenntnisse der Schießlehre sind die Voraussetzung für das Erlernen der Biathlonschießtechnik. Sie helfen dem Sportler bzw. der Sportlerin dabei ihr eigenes Handeln im Training und Wettkampf zu verstehen und damit sicherer anzuwenden.

Leider werden die Kenntnisse zur Biathlonschießtechnik in der Ausbildung junger Sportler oft sträflich vernachlässigt. Mit diesem und den folgenden Beiträgen möchte ich dazu beitragen, dass dem in der Zukunft nicht mehr so ist.

Grundsätze

Die Schießlehre umfasst:

  1. Die Lehre vom Schuss,
  2. Die Visiereinrichtung und das Zielen,
  3. Die Streuung, das Treffbild und die Geschosswirkung sowie
  4. Das Ermitteln der Anfangswerte und Schusskorrekturen.

In diesem Beitrag sollen die Grundlagen zur Streuung, dem Treffbild und der Geschosswirkung dargestellt werden. 

Streuung, Treffbild und Geschosswirkung

Streuung

Werden aus einer Waffe mehrere Schüsse mit demselben Haltepunkt abgegeben, ergeben sich mehrere Treffpunkte. Die Einschläge verteilen sich über eine bestimmte Fläche. Diese Erscheinung heißt Streuung.

Ursachen für die Streuung sind:

  • geringe Unterschiede in der Munitionsfertigung, wodurch insbesondere Abweichungen in der Anfangsgeschwindigkeit verursacht werden (Munitionsstreuung),
  • unterschiedliche Schwingungen (z.B. Erwärmung des Rohrs, lose Visiereinrichtung sowie natürliche produktionsbedingte Unterschiede in der Waffenfertigung (Waffenstreuung)),
  • Zielfehler, Veränderungen im Anschlag, in der Waffenauflage und im Abziehen (Schützenstreuung) und
  • wechselnde Wettereinflüsse (z.B. Wind).

Zum Treffen der Ziele darf die Durchschnittsstreuung

  • im liegend Anschlag maximal 0,9 ‰ (bei 4,5cm Trefferfläche auf 50m Entfernung) und
  • im stehend Anschlag maximal 2,3 ‰ (bei 11,5cm Trefferfläche auf 50m Entfernung)

betragen.

Das trifft unter Einbeziehung aller, die Streuung beeinflussenden, Faktoren zu.

Treffbild

Die Verteilung aller Treffer, sowohl nach Höhe und Breite auf einer senkrechten Fläche als auch nach Länge und Breite auf einer waagerechten Fläche, ergibt ein Treffbild oder auch Trefferbild genannt.

Aus diesen Treffbildern lässt sich ein mittlerer Treffpunkt (MTP) ermitteln, welcher maßgeblich für die Beurteilung der Treffer ist. Der mittlere Treffpunkt ist dabei der Punkt, der in der Mitte einer ungeraden Anzahl von Treffern liegt. Zieht man durch das Treffbild eine Senkrechte und eine Waagerechte so, dass ebenso viele Treffer rechts und links sowie oberhalb und unterhalb dieser beider Geraden liegen, bildet ihr Schnittpunkt den mittleren Treffpunkt. Die Abbildung zeigt die Ermittlung des mittleren Treffpunktes für Trefferbilder mit drei und fünf Schuss.

Geschosswirkung

Die Geschosswirkung ist grundsätzlich von folgenden Faktoren abhängig:

  • Geschossdurchmesser,
  • Geschossform,
  • Geschossmaterial,
  • Geschossgewicht,
  • Auftreffgeschwindigkeit,
  • Auftreffwinkel der Geschossachse zum Ziel,
  • Verhalten des Geschosses nach dem Auftreffen im/auf dem Ziel und
  • Widerstandfähigkeit des Zieles.

Die Wirkung entsteht durch die beim Auftreffen verrichtete mechanische Arbeit am Ziel. Geschossgewicht und Auftreffgeschwindigkeit ergeben zusammen die Auftreffwucht des Geschosses im Ziel. Die dabei maximal erlaubte abgegebene Energie (Auftreffwucht) der beim Biathlonschießen verwendeten Geschosse ist in den Wettkampfregeln festgelegt.

Wesentlich ist dabei, dass ein mit hinreichend Energie erfolgter Treffer zuverlässig zum Anzeigen des Treffers auf der verwendeten Klapp-Fallanlage führt.

Darüber hinaus darf nicht vergessen werden, dass die potentielle Energie des Geschosses auch auf Entfernungen weit über der Wettkampfschussentfernung von 50m noch enormen Schaden, bis hin zu tödlichen Verletzungen, anrichten kann.