Witterung 2 – Wind

Dieser Beitrag beschäftigt sich vertiefend mit dem Wind, einem der beiden wesentlichen Witterungseinflüsse auf das Biathlonschießen. 

Windgeschwindigkeiten

Die Geschwindigkeit des Windes wird zur einfacheren Berücksichtigung in

schwachen Wind – 2 bis 3 m/s,

mäßigen Wind – 4 bis 6 m/s und

starken Wind – ab 7 m/s bis 12 m/s

eingeteilt (nach (Nitzsche, et al., 1998), abgewandelt).

Diese Einteilung bildet die Grundlage zur weiteren Beurteilung des Windes, seiner möglichen Auswirkungen und der Anwendung von zu entwickelnden Standardreaktionen.

Windrichtung

Für alle weiteren Betrachtungen soll die Schussrichtung die 12 Uhr Richtung auf dem Ziffernblatt einer Uhr sein. So kann die Windrichtung leicht verständlich, sehr schnell und auch unter Belastung über die Stundenangaben des Ziffernblattes immer in Bezug zur Schussrichtung gesetzt werden (Abb. Windrichtungen).

Der Wind wirkt sich nicht immer mit seiner gesamten Geschwindigkeit vollständig auf das Geschoss aus. So hängt die berechenbare Winddrift davon ab, aus welcher Richtung der Wind auf das Geschoss trifft und wieviel seiner Wirkung dann auf das Geschoss übertragen wird. Diese Beziehungen verhalten sich wie folgt:

100% bei 3 und 9 Uhr,

87,5% bei 2, 4, 8 und 10 Uhr,

50 % bei 1, 5, 7 und 11 Uhr,

0% bei 12 und 6 Uhr.

Das bedeutet z. Bsp., bei mäßigem Wind mit 4 m/s aus 5 Uhr, bleibt nur ein schwacher Wind mit einer effektiv auf das Geschoss wirkenden Geschwindigkeit von 2 m/s übrig. Die notwendige Reaktion des Sportlers muss sich also bei dieser Kombination von Geschwindigkeit und Richtung auf schwachen Wind beziehen.

Windrichtungen

Weiterhin gilt es ein Phänomen von Läufen mit Rechtsdrall zu berücksichtigen. Dabei kommt es nicht nur zu einer seitlichen Abdrift des Geschosses durch den Windeinfluss, sondern auch zu einer Verlagerung in der Höhe. So driftet das Geschoss bei Wind von links nicht nur nach rechts, sondern auch nach unten bzw. tief und umgedreht. Also bei Wind von rechts driftet das Geschoss nicht nur nach links, sondern auch nach oben bzw. hoch.

Bestimmung der Windgeschwindigkeit und -richtung

Vor der Beurteilung des Windes müssen die Windgeschwindigkeit und Windrichtung entweder gemessen oder anhand von Hilfsmitteln bestimmt werden. Erst dann kann eine Beurteilung des Windes im Sinne von Auswirkungen auf das Geschoss und damit das zu erwartende Trefferbild, unter Berücksichtigung der unter Windgeschwindigkeiten und Windrichtungen getroffenen Festlegungen, stattfinden.  

Eine permanente, Geräte basierte, Messung am Schießstand nach Geschwindigkeit und Richtung (das möglichst an der Schützenlinie im Zielbereich und in Zwischenbereichen) stellt natürlich das Optimum dar. Diese Messung ist aber

  • meist nur auf Wettkämpfen verfügbar,
  • meist nicht so lückenlos wie wünschenswert und
  • nur im Rahmen des Anschießens vor Wettkämpfen verfügbar.

Daher müssen Windgeschwindigkeit und Windrichtung jederzeit auch mit vorhandenen Hilfsmitteln bestimmt werden können. Solche Hilfsmittel sind z.B. die auf den Schießständen vorhandenen Windfahnen, Wolken-/Nebelzug, Rauch, Niederschlag (Schnee, Regen) oder auch die Auswirkungen auf andere Sportler (Haare wehen, Schwankungen im Anschlag stehend, flatternde Startnummer im Stehen). Die Abb. Bestimmung der Windstärke und -richtung mit Hilfsmitteln zeigt Beispiele zur Beurteilung auf. Die jeweilige Richtung muss in Bezug zur Schussrichtung ergänzt werden.

Bestimmung der Windstärke und -richtung mit Hilfsmitteln

Dabei können Festlegungen anhand von gemachten Erfahrungen getroffen werden. Das könnte z.B. wie folgt geschehen. Die in den IBU – Regeln standardisiert vorgeschriebenen Windfahnen

  • hängen bei schwachem Wind nach unten und bewegen sich nur leicht,
  • werden bei mäßigem Wind bis zu 45° angehoben und flattern deutlich sichtbar,
  • wehen/fliegen bei starkem Wind nahezu horizontal.

Die Richtung kann an diesen Windfahnen ebenfalls „abgelesen“ werden, da sie an einem beweglichen Arm befestigt sind und sich somit selbstständig in Windrichtung ausrichten können.

Auswirkungen des Windes

Zur Beurteilung des Windes sind darüber hinaus Kenntnisse über die dann tatsächlich auftretenden Auswirkungen auf die Geschossflugbahn notwendig. Die Tabelle zeigt dazu die Winddriften (Vgl. auch http://www.norma.cc/de/Munitionsschule/Ballistik/iframe/) einer Standard KK Patrone (Geschossgewicht = 2,6 g, V0 = 360 m/s (Patrone IBU – Regeln: Geschossgewicht = 2,55 – 2,75 g, V0 max. = 360 m/s)), welche den IBU – Regeln entspricht, auf. Dies unter der Voraussetzung, dass der Wind über die gesamte Schussentfernung gleichmäßig einwirkt.

Winddriften

Das bedeutet, der mittlere Treffpunkt verschiebt sich um die angegebenen Werte nach links (bei Wind aus 1,2,3,4,5 Uhr) oder rechts (bei Wind aus 7,8,9,10,11 Uhr). Betrachtet man ein Treffbild, welches dem Zentrum einer Papierscheibe von 12 mm Durchmesser entspricht, ergeben sich z.B. potentiell Fehlschüsse auf das Liegendzentrum der Klappanlage schon bei schwachem Wind, insofern er aus 3 oder 9 Uhr (Abb. Windrichtung) kommt und somit senkrecht auf die Flugbahn des Geschosses einwirkt.

Dies ergibt sich aus:

  • Durchmesser Treffbild 12 mm (grüne Schüsse),
  • Verschiebung des mittleren Treffpunktes um 22 mm nach links oder rechts (rote Schüsse),
  • + 6 mm bis zum Rand des Treffbildes,
  • sind 28 mm Abweichung von der Scheibenmitte,

daraus folgt bei 45 mm Durchmesser der Liegendtrefferfläche eine Abweichung (Überschreitung des Randes der Trefferzone) von 5,5 mm und damit ein Fehlschuss, da hier nur noch 0,1 mm zum vollen Umfang des Geschosses fehlen und somit nicht mehr genug Geschossmasse die Klappscheibe zum Reagieren bringen wird. Für den Anschlag stehend wiederum ergeben sich unter diesen Vorgaben, rein rechnerisch, keine zu berücksichtigenden Auswirkungen, da die Treffer immer noch sicher im Stehendzentrum der Scheibe sind.

Beurteilung des Windes

Wesentliche Erkenntnis der vorherigen Abschnitte zur Beurteilung des Windes sind nicht nur die absoluten Werte der Winddriften bei den unterschiedlichen Windstärken und Windrichtungen, sondern vor allem die Unterschiede, welche sich zwischen schwachem, mäßigem und starken Wind ergeben. Nur unter Berücksichtigung dieser Erkenntnisse kann die notwendige Reaktion abgeleitet werden, wenn z.B. der Wind zwischen dem Anschießen bei starkem Wind (gemessen auf dem Schießstand) hin zu schwachem Wind im Laufe des Wettkampfes wechselt.

Zusammenfassung

Nur wer diese Grundsätze zur Beurteilung des Windes kennt, mit zunehmender Erfahrung immer besser zu berücksichtigen lernt und sicher anwenden kann, wird auch unter schwierigen Bedingungen in der Lage sein zu treffen. Die Betrachtungen über den Wind werden in einem weiteren Beitrag über die Licht- und Sichtrverhältnisse ergänzt werden.